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2. Gesellschaftliche Relevanz einiger Ansichten Aldous Huxleys für Individuen entwickelter Industriestaaten in der GegenwartFortsetzung von Seite 4 ... Der Weg zum Mystizismus scheint damit vorgezeichnet, weil den von Huxley beschriebenen psychischen Äquivalenten Australiens niemand mehr bis ins Detail zu folgen vermag. Da Mystizismus nicht begreifbar und erklärbar ist, also mit rationalem Denken nicht erfaßt werden kann, und andererseits, sobald er begreifbar und erklärbar wird, aus dem eigenen Anspruch heraustritt und keinen Mystizismus mehr darstellt, muß auf die weitere Behandlung dieser Thematik verzichtet werden. Demgegenüber beweist „The Perennial Philosophy“, daß Huxley sich nicht in den kaum nachvollziehbaren Bereichen der Mystik verliert, sondern, ohne deren Einfluß gänzlich negieren zu können, da er die Gemeinsamkeiten verschiedenster Philosophien herauszustellen versuchte und mystischen Erfahrungen gegenüberstellte, die Suche nach dem Urgrund des Seins intensivierte. Seine dort getroffenen Aussagen, von Brooke, der sich aber nicht sicher ist, ob dieser Begriff tatsächlich verwendet werden sollte, als Zeichen einer Bekehrung interpretiert, werden nicht als intellektuelles Aufgeben oder „plötzlicher Akt des Glaubens“ gewertet, sie seine vielmehr „the result ... of a prolonged and critical investigation of the available evidence, conducted with the caution and detachement of a scientist“. Und jene „Vorsicht eines Wissenschaftlers“ ist es auch, die seinen, hauptsächlich auf „Brave New World“, „After Many A Summer“, „The Doors Of Perception“ und „Island“ bezogenen, Ruf begründet, sein Reiz läge besonders „in his capacity to stimulate thought and argument“ (C.S. Ferns). Ist man auch bereit, dieser Argumentation zu folgen, muß der Beschränkung auf die genannten Bücher nicht unbedingt zugestimmt werden, denn neben jenen und den bereits in den verschiedenen Gliederungspunkten erwähnten Werken gibt es weitaus mehr Essays, Romane usw., die in diesem Zusammenhang aufgezählt werden können, so z.B. auch „Ziele und Wege“. Darin diskutiert Huxley, ähnlich dem oben angesprochenen Herausarbeiten invarianter Merkmale der verschiedensten Religionen in „Die ewige Philosophie“, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedensten Philosophien. Eindrucksvoll wird das gemeinsame Ziel beschrieben, ein Zeitalter zu erreichen, in dem „Freiheit und Gerechtigkeit, Frieden und Nächstenliebe herrschen“. Diesem Ziel sieht sich Huxley durchaus verbunden, doch für kritikwürdig befindet er die damit einhergehende Einstellung, daß dieses hehre Ziel jegliches Mittel zu seiner Erreichung heilige. Er setzt verallgemeinernd Mittel und Zwecke zueinander in Beziehung und schlußfolgert, daß „gute“ Zwecke nur unter Anwendung ebensolcher Mittel erreicht werden: Der Zweck kann die Mittel nicht rechtfertigen, aus dem einfachen und einleuchtenden Grund, weil die angewendeten Mittel das Wesen der bewirkten Zwecke bestimmen“. In diesem Zusammenhang beurteilt er die Politik der Aufrüstung als Mittel zur Abschreckung eines potentiellen Gegners äußerst skeptisch und beschriebt die Zusammensetzung der Bündnisse, die sich seiner Ansicht nach bald gegenüber stehen würden, nämlich Italien, Deutschland, Japan auf der Seite der Angreifer und Frankreich, Rußland, England als Verteidiger. Die bezeichnete Äußerung weist Huxley als höchst scharfsinnigen Beobachter internationaler politischer Entwicklungen aus, denn „Ziele und Wege“ wurde ursprünglich bereits im Jahre 1938 veröffentlicht. Bezüglich der Schlußfolgerungen kann keine einhellige Zustimmung erzielt werden, doch „no one ... will question the intellectual integrity of Mr. Huxley himself“ (J. Brooke). Die Richtigkeit dieser Einschätzung belegt auch Huxleys Darstellung möglicher Auswüchse der Zusammenstellung einer internationalen Polizeitruppe. Huxley führt, sich zunächst an dem Begriff „Polizeitruppe“ orientierend, aus, daß zwischen dem polizeilichen Vorgehen gegen einen einzelnen Verbrecher und der Handlungsweise einer Gruppe von Nationen gegenüber einer Nation, die als verbrecherisch angesehen wird, der Unterschied besteht, daß die Polizei in den meisten Fällen sehr präzise handelt, Nationen bzw. Gruppen von Nationen aber durch ihre bewaffnete Macht nur äußerst unpräzise vorgehen kann: „Sie tötet, verstümmelt und ruiniert Millionen von Menschen und läßt sie verhungern, obwohl die überwiegende Mehrzahl dieser Menschen keinerlei Verbrechen begangen hat“. Diese zutiefst humanistische Einstellung wird in ihrem Wahrheitsgehalt in der Geschichte der Menschheit vielfach belegt, Beispiele sind die Ereignisse des Golfkrieges von 1991 und die Leiden der Bevölkerung im Irak im Rahmen der Vorbereitung der zwischenzeitlich abgewendeten erneuten Auseinandersetzung am Golf. Zwei wohl generell auf Huxleys Werke zutreffende Merkmale, die zugleich Indikatoren der gesellschaftlichen Relevanz auch in der heutigen Zeit (neben der bereits erwähnten Aktualität, der Präzision seiner Ausführungen, der Präsentation geheimnisumwobener Mystik, der wissenschaftlichen Vorgehensweise sowie seiner humanitären Grundhaltung) sind, wird hieran deutlich. Erstens: „The chiefvalue of Ends and Means lies in the attempt to evolve some kind of synthesis from the political, ethical, and religious confusions of our age“ (J. Brooke). Diesen Wert umschrieb Huxley in seinen eigenen Worten folgendermaßen: „Selbst der fragmentarische Aufriß einer Synthese ist besser als gar keine Synthese.“ Zweitens: „His writings ... cover an enormous range ... of subjectmatter: apart from his purely creative work, he has written learnedly and perceptively of painting, music, science, philosophy, religion, and a dozen other topics“ (J. Brooke). Huxley wirft also in seinen Werken die Probleme unserer Zeit auf, humorvoll und auch mit einer gewissen Selbstironie. So bezeichnet er z.B. „Ziele und Wege“ als ein „Reform-Kochbuch“. Der Vorwurf des Nihilismus ihm gegenüber dürfte ebenfalls ad absurdum geführt und die Relevanz für Individuen entwickelter Industriestaaten in der Gegenwart an verschiedenen Beispielen ausreichend erläutert worden sein. R. Fricker faßt in wenigen Sätzen die sich in Huxleys Werken ausdrückende Erkenntnis zusammen: „Er hat den verhängnisvollen Weg, den der moderne Mensch geht, klar erkannt; er hat auch einen möglichen Ausweg aufgezeigt, aber er scheint ... nicht viel ... Hoffnung auf die Einsicht des Menschen zu setzen“. Zur Einschätzung der Persönlichkeit Huxleys jedoch resümiert er, jener sei „ein grundehrlicher Dichter und Denker ..., der nie den Boden der persönlichen Erkenntnis verlassen hat und dessen Gesamtwerk das Dilemma des modernen Intellektuellen ausdrückt“. |
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