| Publikationen in der Presse | ||
Ausgabe vom 18.11.1998 |
Berlin, Liverpool, Dallas, L.A. Am kommenden Sonntag, jährt sich sein Todestag zum 35. Mal. Kennedy war bemüht, seinem Amt als Präsident der USA mit einem neuen Regierungsstil und weitreichenden innenpolitischen Programmen eine in dieser Funktion bisher unbekannte Frische zu verleihen. Damit wurde er zu einem Symbol für die Durchsetzung der Ideen der jungen Generation im puritanischen Amerika. Die Realität sah anders aus. Zwar wurde unter seiner Ägide eine wirtschaftliche Stärkung der Vereinigten Staaten erzielt, die Inflation konnte verlangsamt werden und die Arbeitslosen-zahlen sanken. Doch weder das System der Sozialversicherung, die Bedingungen der Krankenversorgung noch das Bildungswesen konnten - aufgrund der Widerstände seitens der Kongreßmitglieder - revolutioniert werden. Kennedy trat gegen die Rassendiskriminierung ein, konnte jedoch keinen entscheidenden Durchbruch erzielen.Außenpolitisch setzte Kennedy den Kurs zum Erhalt der Vorherrschaft der USA durch. Der gewaltsame Tod trug stark zur Verklärung seiner Person zum Mythos bei. Seine Beziehung zu Marilyn Monroe geriet zur Legende. Vor dem Hintergrund der Empörung über das Attentat in Dallas gingen andere - vielleicht wichtigere - Ereignisse nahezu unter. Denn am gleichen Tag unterlag der bedeutende Schriftsteller und Kulturphilosoph Aldous Huxley im Kampf gegen den Krebs. Aldous Leonard Huxley hatte 1932 mit seinem utopischen Roman „Brave New World“ Weltruhm erlangt. Der hochstirnigen Oberschicht der Gesellschaft, der er selbst entstammte, immer stärker entfremdet, siedelte Huxley 1937 nach Kalifornien um und setzte seine literarische Arbeit fort, schrieb aber auch Drehbücher für Hollywood. In den meisten Werken Huxleys kehren seine Ideen in unterschiedlichster Form wieder. Häufig diskutieren die Romanfiguren verschiedene Sichtweisen des Schriftstellers. Besonders wichtig war Aldous Huxley die freie individuelle Entfaltung. Seine Aufgeschlossenheit gegenüber gesellschaftlich geächteten Tendenzen in der Menschheitsentwicklung zeigte sich zum Beispiel in Selbstversuchen mit Drogen. Huxley war ohnehin stark an medizinischen und naturwissenschaftlichen Problemen interessiert und nahm regelmäßig an wissenschaftlichen Veranstaltungen, unter anderem im Hause seines Bruders, des Biologen Julian Sorell Huxley, teil.Seine eigene Entwicklung zum weltberühmten Autor verdankt der brillante Denker Aldous Huxley seinem schlechten Gesundheitszustand. Er erblindete in seiner Jugend zeitweilig. Und so war ihm der Weg zur Erfüllung seines Berufswunsches, als Chirurg zu arbeiten, verwehrt. Die Hinwendung zu östlichen Philosophien schlug sich nicht nur in seinen Spätwerken nieder. Durch sie sah er sich auch dem Ziel seiner Suche nach den Werten des Lebens näher und wurde in der gleichbleibenden Beharrlichkeit des Kampfes gegen seine Krankheit bestärkt, der er schließlich doch erlag. Huxleys Einfluß auf die Wissenschaft und Kultur war immens, seine Romane genießen auch heute noch Aufmerksamkeit, so „Brave New World“ im Rahmen des Ethik-Diskurses zur Entwicklung der Humangenetik. |
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Die bedeutendsten Vertreter der modernen Populärkultur, The Beatles, dokumentierten ihre geistige Nähe zu Aldous Huxley, indem sie u. a. sein Foto auf dem Cover der Langspielplatte Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (1967) abbildeten und somit die Verbindung zu diesem Großen der Literatur demonstrierten. Die Beatles selbst können auf den 22. November 1963 als Tag der Veröffentlichung ihrer 2. Langspielplatte, With The Beatles, in England zurückblicken. Die Hysterie um die Auftritte der Beatles in Europa, Beatlemania genannt, erreichte danach ihren vorläufigen Höhepunkt. Doch waren die Lieder dieser Platte noch aus einem anderen Grund wichtig. Sie legten neben der Single I want to hold your hand den Grundstein für ihren Erfolg auf dem größten Musikmarkt der Welt, dem amerikanischen. Denn neun Stücke der LP wurden auf der eigens für den US-Markt zusammengestellten Kopplung Meet The Beatles verwendet und manifestierten mit der Veröffentlichung am 20. Januar 1964 (eine Woche nach Erscheinen ihres ersten Nr.-1 Hits I want to hold your hand) den Weltruhm des Quartetts aus Liverpool. Und so konnte die Welt nach -Sekunden des Atemstillstands beruhigt weiteratmen - nicht zuletzt dank der beispielhaften Tapferkeit Huxleys im Kampf gegen die heimtückische Krankheit und aufgrund einer Revolution in der Kultur. Ab 22. November sind genaue Informationen abzurufen über das Internet unter www.huxley.de und Zuschriften möglich unter der e-mail-Adresse: jschulz@huxley.de. | |